Brief eines Hundes

Dieser Brief ist in einer belgischen Zeitung erschienen mit der ausdrücklichen Bitte um Verbreitung und Nachdruck.

Brief an mein Herrchen

Am Morgen warst Du sehr früh aufgestanden und hattest die Koffer gepackt.
Du nahmst meine Leine, was war ich glücklich!
Noch ein kleiner Spaziergang vor dem Urlaub! Hurra!
Wir fuhren mit dem Wagen und Du hattest am Straßenrand angehalten.
Die Türe ging auf und Du hattest einen Stock geworfen!
Ich lief und lief, bis ich den Stock gefunden und zwischen meinen Zähnen hatte, um ihn Dir zurückzubringen!
Als ich zurückkam warst Du nicht da!
Meine Qual wuchs, als ich erkannte, dass Du verschwunden warst.
Mir wurde klar: Du hattest mich ausgesetzt!

In Panik war ich in alle Richtungen gelaufen, um Dich zu finden, aber vergebens!
Ich lief Tag für Tag, um Dich zu finden und wurde immer schwächer.
Ich hatte Angst und großen Hunger.
Ich hatte vergeblich versucht, den Weg nach Hause zu finden.
Ich setzte mich hin, ich war verloren.

Auf meinem Weg gab es Leute mit gutem Herzen, die mir meine Traurigkeit ansahen und mir etwas zu fressen gaben. Ich dankte ihnen von ganzem Herzen und wollte, dass sie mich adoptierten und versprach ihnen auch, für die Ewigkeit treu zu bleiben. Aber sie sagten nur: „Armer Hund, er muss verloren gegangen sein“ und gingen weiter.

Dann ging ich an einer Schule vorbei und ich sah viele Kinder, die mich an meine „Geschwister“ erinnerten. Als ich mich ihnen näherte, lachte eine Gruppe von ihnen und sie warfen viele Steine nach mir und schauten, wer besser gezielt und mich getroffen hatte. Einer jener Steine verletzte eines meiner Augen und von da an sah ich nichts mehr mit ihm.

Als ich noch ein schöner Hund war, hatten alle Leute Mitleid mit mir. Dann aber war ich ganz dünn geworden und hatte nur noch ein Auge und die Menschen verjagten mich, als ich versuchte, irgendwo ein Plätzchen für meinen müden und geschundenen, schwachen Körper zu finden.

Als ich versuchte, eine Straße mit starkem Autoverkehr zu überqueren, wurde ich angefahren. Ein Autofahrer lenkte sein Auto so, dass er mich mit Absicht traf. Ich konnte den zufriedenen Gesichtsausdruck des Fahrers nie vergessen!
Hätte Gott doch gewollt, dass er mich getötet hätte! Aber ich renkte mir nur meine Hüfte aus.

Der Schmerz war nicht auszuhalten, meine Hinterpfoten gehorchten mir nicht und mit großer Schwierigkeit kroch ich zu irgendeinem Grashang am Straßenrand. Ich konnte mich kaum mehr bewegen.

Ich lag tagelang draußen in der Sonne, dem Regen, der Kälte, ohne etwas zu fressen oder trinken. Ich konnte mich nicht bewegen und der Schmerz war unerträglich. Ich lag an einer feuchten Stelle und meine Haare fielen aus, ich fühlte mich sehr schlecht. Einige Leute gingen an mir vorbei, aber entweder sahen sie mich nicht oder aber andere sagten unter sich: “Gehe nicht zu nahe heran“.

Ich war fast bewusstlos. In meinem Dämmerschlaf dachte ich an meine Mutter. Als man mich von ihr trennte, war sie sehr unruhig gewesen und mit ihren traurigen Augen hatte sie mir AUF WIEDERSEHEN gesagt, gleichzeitig hoffend, dass meine neue menschliche Familie sich so um mich sorgen würde, wie sie es getan hatte. Ich dachte: Wenn sie mich jetzt so sehen würde!

Auf einmal stand eine fremde Person neben mir. Ihre liebevolle Stimme brachte mich dazu, zu reagieren: „Armer Hund, wie sich Dich ausgesetzt haben“, sagte sie… Die fremde Frau kam zu mir und legte mir ein Halsband um und nahm mich mit. Bald befand ich mich in einem Käfig und wartete dort auf Deine Rückkehr. Aber Du bist nicht gekommen!!!

Dann wurde der Käfig geöffnet. NEIN! Du warst es nicht. Es war die Frau, die mich gefunden hatte!
Sie brachte mich in einen Raum zu einem Mann mit weißem Kittel.

Er begann mich abzutasten und sagte zu der freundlichen Frau: „Es tut mir leid, aber ich kann diesem Hund nicht mehr helfen, es ist besser, wenn ich ihn von seinem Leid erlöse“. Unter Tränen stimmte sie zu. Ich schaffte es noch einmal, mit dem Schwanz zu wedeln und schaute sie mit unendlich dankbaren Augen an. Meine Stunde war gekommen.Ich fühlte nur kurz den erlösenden Schmerz der Injektion und fragte mich, WARUM ICH GEBOREN WURDE, WENN MICH DOCH NIEMAND LIEBTE. Dann fiel ich in ewigen Schlaf.

Geliebtes Herrchen, ich wollte, dass Du weißt, dass ich mich trotz des Leides, das Du mir angetan hast, noch stets an Dein Bild erinnerte und falls ich noch einmal auf die Erde zurückkommen könnte, ich würde auf Dich zulaufen, denn ich hatte Dich lieb!!!

Dein Hund !!!