Gino (2)

Am Anfang hatten wir schon auch unsere Probleme, denn ich war/bin ein Hund mit „Schwierigkeitsgrad Terrier“ und wenn ich es mal so frei anmerken darf: Sandra war auch nicht gerade das, was man als Mensch mit Hundeverstand bezeichnen konnte.

Wenn man Hunde nicht zu verstehen und artgerecht mit ihnen umzugehen weiß, ihnen keine gerade Linie und souveräne Führung bietet (sich nicht konsequent darum bemüht), kosten wir schon den ein und anderen Nerv. Bei uns ging das sogar soweit, dass wir richtig böse Streit miteinander hatten und ich eine Weile wieder ausgezogen bin.

Dann riss Frauchen sich ganz arg am Riemen, bat mich um eine 2. Chance – wir Hunde sind ja nicht nachtragend! – und klemmte sich echt dahinter, meine Spezies so tiefgehend wie nur möglich kennen zu lernen.

Anfang 2009 hatten wir eine schwierige Zeit: Frauchens Existenz als Selbstständige war in Gefahr und nachdem alle Bemühungen, uns so gut es ging über Wasser zu halten eher zum Scheitern verurteilt waren, fasste sie den schweren Entschluss unsere Katzen in neue, sichere Zuhause zu geben – Zweibein und ich waren alleine.

Neben mir blieben zwar auch noch vier Kornnattern, doch das sind ja mehr ‚Haustiere fürs Auge‘ – weil sie genau so leicht zu händeln sind wie ich, konnten wir bleiben.

Frauchen ging als Lkw-Fahrerin wieder in den Fernverkehr, ich durfte mit und unsere Situation entspannte sich.

Seit dem Tag, an dem Mensch und ich uns kennen lernten, wirkte ich wie ein kleines Kraftwerk mit dem zeitweisen Sturkopf eines Terriers. Etwa Anfang Sommer 2009 erschien ich irgendwie verändert: ruhiger und zurückhaltender. Ob es an den Auszügen meiner Katzen lag?

Vorsichts- und Sicherheitshalber meldete sie mich bei unserer damaligen Haustierärztin zum Alterscheck an.

Beim Bluttest kam nichts Besonderes heraus, außer dass ich leichten Thrombozythenmangel habe. Normalerweise hätte dies zur Folge, dass meine Blutgerinnung nicht funktioniert, aber damit habe ich keine Probleme. Es könnten jetzt noch Blutparasiten dafür verantwortlich sein, deshalb werde ich in ein paar Monaten noch mal darauf untersucht.

Meine Tierärztin auf meine Schlappheit angesprochen, entschieden sich die Menschen am 25.08.09 eine Ultraschalluntersuchung von meinem Herz zu machen – und Bingo, der Schock saß!

Um wieder auf Füße und Pfoten zu kommen, fuhr Frauchen mit mir einige Tage später in Urlaub – in das Hundehotel Herzog Tassilo in Bad Griesbach, das war richtig klasse! (Nachtrag 2011: Das Herzog Tassilo gibt es heute nicht mehr, seit Juli 2010 ist sein Nachfolger das Seehotel Moldan in Postmünster.)

Ich lernte neue Hundekumpels kennen, spielte, tobte, jagte, wurde gejagt.

Wir machten Waldspaziergänge und Wanderungen – ich wurde sogar professionell massiert. Ich ging schwimmen, buddelte ohne Ende und es ging mir richtig gut dabei! Auch Frauchen fing sich wieder.

Als sie sah und realisierte, dass es mir trotz allem ganz gut ging und ich mich wirklich zum richtigen Zeitpunkt zurück zu nehmen wusste – seit dem haben wir einen Weg gefunden, diesen Schicksalsschlag zu meistern. Auch ganz ohne den Beistand von „Freunden“, die weder uns noch sich die Zeit dafür geben wollten.

Damit ich auch weiterhin ganz Hund sein und Kontakt zu meinen Artgenossen pflegen konnte, fing Frauchen nach unserer Rückkehr gleich an, mir neue Kumpels zu suchen – auf die Alten war ja kein Verlass mehr bzw. wollte ich einige von denen nicht mehr sehen.

Es dauerte seine Zeit, bis unser Leben wirklich passend auf meine Erkrankung eingestellt war, inklusive einer komplett beruflichen Veränderung, indem Frauchen ihren Lkw-Fahrer-Job nach insgesamt 13 Jahren an den Nagel hängte, sich mit einem mobilen Tiersitterservice selbstständig machte und parallel dazu als Paketbote arbeitete, um jederzeit für mich da sein zu können.

Umso (nett ausgedrückt) ärgerlicher war mein Mensch, als sich ein Jahr später heraus stellte, dass wir Opfer einer Fehldiagnose wurden und sie mir unnötigerweise, teils schwere Herzmedikamente verabreicht hatte.

Wer meinen Mensch kennt, weiß, dass sie einen solchen „Irrtum“ – vor allem auf Kosten eines / ihres Tieres – nicht einfach so hinnimmt und auf sich beruhen lässt, wenn es reelle Mittel und Wege gibt dagegen an zu gehen. Mehr dazu Hier.